30 Jahre EKON – das ist eine lange Zeit für eine Konferenz. Noch bemerkenswerter wird die Geschichte, wenn man sich anschaut, wie sie begonnen hat.
Masoud Kamali hatte ursprünglich nicht unbedingt vor, in der Informatik zu arbeiten. Er studierte Philosophie und Informatik und lernte während seines Philosophiestudiums in Frankfurt Sebastian Meyen kennen.

„Ich habe zusammen mit Sebastian Meyen in Frankfurt Philosophie studiert. Dort habe ich ihn kennengelernt.“
Die politische Welt veränderte sich zu dieser Zeit grundlegend. Der Kalte Krieg ging zu Ende, vieles geriet in Bewegung. Masoud begann schließlich als Informatiker zu arbeiten – bei dem amerikanischen Softwareunternehmen Borland. Dort lernte er die Softwarebranche kennen. Auch Markus Hebach und Stefan Germer waren zu dieser Zeit bei Borland und wurden später Teil des gemeinsamen Weges.
Doch Borland wurde verkauft, viele Mitarbeiter verließen das Unternehmen – und für Masoud und seine Mitstreiter begann ein neuer Abschnitt. Für sie war das genau die richtige Zeit, um selbst etwas auf die Beine zu stellen.
Der erste Schritt war noch keine Konferenz.
Es war ein Magazin.
Das Magazin hieß „Der Entwickler – Das Magazin für Delphi, Pascal, C++, Paradox und dBASE Entwickler:innen“
Der Name war damals durchaus bewusst gewählt. Masoud und seine Mitstreiter kamen aus dem universitären Umfeld und hatten eine klare Vorstellung davon, wie sie miteinander arbeiten wollten.
„Für uns war es selbstverständlich, dass Frauen respektiert werden, dass es gleiche Gehälter gibt und dass Männer und Frauen gleich behandelt werden.“
Eine solche Haltung war in der Arbeitswelt der damaligen Zeit keineswegs selbstverständlich. Für Masoud und seine Mitstreiter war sie jedoch von Anfang an Teil der Unternehmenskultur, die sie gemeinsam aufbauen wollten.
Das Magazin erschien zunächst alle zwei Monate. In den ersten Ausgaben war Masoud noch stark selbst beteiligt.
„Bei der ersten Ausgabe habe ich ungefähr 40 Prozent selbst geschrieben. Gleichzeitig habe ich Anzeigen verkauft und mich um den Vertrieb gekümmert. Im Grunde hatte ich damals drei Jobs gleichzeitig.“
Das Magazin war der erste Baustein. Weitere Publikationen folgten: 1998 startete das Java Magazin, später kamen weitere Magazine und Konferenzen hinzu.
Eine Veranstaltung sollte dabei eine ganz besondere Rolle spielen: die Entwickler-Konferenz EKON.
Die ersten Jahre der EKON
Heute lassen sich Konferenzen weitgehend digital organisieren. Speaker werden per Mail kontaktiert, Tickets online verkauft und die Community über Social Media erreicht.
In den 1990er-Jahren funktionierte das anders.
Die Entwickler-Community war kleiner und vieles lief über persönliche Kontakte. Genau davon profitierte Masoud auch bei der Entwicklung der EKON. Er hatte während seiner Zeit bei Borland selbst Konferenzen besucht und dort viele Menschen kennengelernt, die später als Autor:innen oder Speaker aktiv wurden.
„Ich war selbst auf Konferenzen, als ich noch bei Borland gearbeitet habe. Da habe ich die Speaker kennengelernt. Man ist zusammen ein Bier trinken gegangen und hat sich unterhalten. Und dann habe ich gefragt: Wir machen ein Magazin – hast du Lust, etwas zu schreiben?“
Auch bei den Autor:innen gab es unterschiedliche Motive. Manche wollten für ihre Artikel bezahlt werden, andere schrieben einfach, weil sie Spaß daran hatten oder sich intensiv mit einem Thema beschäftigten.
Die EKON entstand damit aus persönlichen Kontakten – und aus einem Netzwerk, das Masoud über Jahre aufgebaut hatte.
1996 fand die erste EKON mit 500 Teilnehmenden statt – eine beachtliche Zahl für eine Konferenz, die aus der damals noch überschaubaren Entwickler-Community heraus entstanden war. Insgesamt fanden 70 Sessions statt, außerdem waren 14 Aussteller mit ihren Ständen vertreten. Teilnehmende, Aussteller und Journalisten reisten nicht nur aus Deutschland, sondern unter anderem auch aus den USA, den Niederlanden und der Schweiz an.
In den folgenden Jahren wuchs die Veranstaltung weiter. Dabei ging es Masoud und seinem Team nie ausschließlich um die Vorträge.
„Wir waren eigentlich sehr an dem Umfeld interessiert. Nachts haben wir immer eine Poolparty gemacht – in dem Hotel, wo die Konferenz war.“
Es ging also nicht nur um die Sessions, sondern auch um das Zusammensein nach dem offiziellen Programm. Heute gibt es zwar keine Poolparty mehr wie damals. Aber die Idee dahinter ist geblieben: Die EKON sollte ein Ort sein, an dem Menschen sich treffen, austauschen und gemeinsam Zeit verbringen.
Masoud erinnert sich an eine Situation aus dem Jahr 2001 besonders gut. Er war gerade in Kuba, als ihn eine Nachricht aus dem Büro erreichte.

„Unsere Faxmaschine ist kaputt, weil wir so viele Anmeldungen bekommen.“
Die Resonanz auf die Konferenz war offenbar so groß, dass selbst die Faxmaschine dem Ansturm nicht mehr gewachsen war. Und irgendwann wurde das Wachstum auch bei den Veranstaltungsorten spürbar.
„Das ist so groß geworden, dass das Hotel gesagt hat: Wissen Sie was? Ich erweitere das Hotel für Sie.“
Ein ungewöhnliches Zeichen dafür, wie stark die Konferenz inzwischen gewachsen war.
Irgendwann war aber auch diese Kapazität ausgeschöpft. Die EKON zog weiter und entwickelte sich an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Formaten weiter.
Mit der Entwicklerwelt im Wandel
Die EKON entwickelte sich dabei gemeinsam mit der Entwicklerwelt weiter.
Delphi blieb über die Jahre der Kern der EKON. Gleichzeitig veränderte sich die Technologie – und mit ihr die Themen, die Entwickler:innen beschäftigten.
Auch die Konferenzlandschaft von Software & Support Media wurde größer. Neben der EKON entstanden weitere Veranstaltungen – unter anderem JAX, PHP-Konferenzen und weitere Formate rund um neue Technologien.
Masoud beschreibt die Entwicklung als einen Kreislauf: Aus neuen Magazinen entstanden Konferenzen, aus Konferenzen neue Kontakte und daraus wiederum neue Themen und Communities.
Für die EKON blieb Delphi jedoch der Kern. Denn die EKON musste sich nicht jedes Jahr neu erfinden. Sie musste sich vielmehr immer wieder verändern, ohne ihre Verbindung zur Delphi-Community zu verlieren.
Dass die EKON heute 30 Jahre alt wird, lässt sich nur verstehen, wenn man sich vor Augen hält, wie Entwickler:innen damals gearbeitet haben.
Masoud muss darüber lachen, wenn er die heutigen Möglichkeiten mit früher vergleicht.
„Heute hast du ein Problem und googelst es. Damals hatten wir hier 30, 40, 50 Bücher.“
Selbst bei einer einfachen technischen Frage musste man damals zunächst herausfinden, welcher Befehl der richtige war, wie die Syntax lautete und welche Parameter zur Verfügung standen. Antworten fanden sich in Büchern, Handbüchern und Dokumentationen.
Heute reicht dafür oft eine Suchmaschine – oder inzwischen ein KI-Tool.
Für Masoud gibt es dabei sogar eine überraschende Parallele zwischen damals und heute:
„Wir kommen auch ein bisschen zurück wie früher. Damals hast du ls-Befehle geschrieben, heute schreibst du einen Prompt oder einen Agenten. Von der Art und Weise sieht das ziemlich ähnlich aus.“
Die Werkzeuge haben sich verändert. Das Bedürfnis, einem Computer eine Aufgabe zu geben und ein Ergebnis zu bekommen, ist dagegen geblieben.
Auch die EKON selbst hat diese Entwicklung mitgemacht. Im Laufe der Jahre kamen immer neue Themen hinzu. Cloud, REST und Machine Learning wurden wichtiger. 2019 fanden erstmals agile Themen außerhalb des klassischen Delphi-Fokus ihren Weg ins Programm. 2023 bekam auch KI einen festen Platz.
Nicht jede Technologie ist geblieben. Nicht jede Technologie wurde zum großen Trend. Aber die Fragen haben sich immer wieder verändert.
Und genau das zeigt sich auch bei der Jubiläumsausgabe.
30 Jahre später: Was kommt nach dem Programmieren?
Auf der EKON 30 stehen heute Themen auf dem Programm, die Masoud in den Anfangsjahren wahrscheinlich noch nicht erwartet hätte: GitHub Copilot, Coding Agents, Agentic AI, AI-gestützte Entwicklung und AI Squads.
Gleichzeitig bleiben klassische Delphi-Themen Teil des Programms.
Für Masoud wirft die Entwicklung rund um AI aber auch eine grundsätzliche Frage auf:
„Ich glaube schon, dass AI die Chance für eine neue Revolution hat. Nur die Frage ist: Braucht man Programmiersprachen insgesamt noch? Wenn alles für dich programmiert wird, wozu brauchst du dann noch Programmieren?“
Denn wenn KI immer mehr Code erzeugen kann, verändert sich auch die Rolle der Entwickler:innen. Vielleicht geht es in Zukunft weniger darum, jede Zeile Code selbst zu schreiben. Dafür wird es umso wichtiger, zu verstehen, was ein System eigentlich tut, Ergebnisse zu prüfen und Fehler oder falsche Annahmen zu erkennen.
Die Aufgabe verschiebt sich vom Schreiben zum Verstehen, Prüfen und Steuern.
Und damit sind wir wieder bei der Frage, was Softwareentwicklung eigentlich ausmacht.
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Was bleibt, wenn sich alles verändert?
Dass die EKON 30 Jahre lang bestehen konnte, hat nicht nur mit Delphi oder einzelnen Technologien zu tun. Es liegt auch daran, dass Menschen Verantwortung übernommen, die Community weitergeführt und immer wieder neue Themen auf die Konferenz gebracht haben.
Masoud bringt es auf den Punkt:
„Bei der EKON ist es eine sehr große Community, die wiederkommt.“
Vielleicht liegt genau darin der wichtigste Teil der Geschichte: Die EKON lebt nicht nur von ihren Themen, sondern von den Menschen, die immer wieder zusammenkommen.
Die Technologie kann sich verändern. Das Bedürfnis nach Austausch bleibt.
2026 feiert die EKON ihr 30-jähriges Jubiläum. Vom 23. bis 27. November 2026 kommt die Delphi-Community in Düsseldorf zusammen. Das Programm verbindet sechs Themenbereiche – von agiler Entwicklung und DevOps über Web, Cloud und Crossplatform bis zu Delphi, Frameworks, Softwarearchitektur und KI. Dazu kommen drei Workshop-Tage und zwei Deep-Dive-Bootcamps.
30 Jahre EKON sind damit auch 30 Jahre Entwicklergeschichte.
Masoud hätte damals nicht erwartet, dass die Konferenz drei Jahrzehnte später noch existiert. Heute steht die EKON 30 vor einer neuen Entwicklungsphase – mit AI, Coding Agents und einer neuen Generation von Entwickler:innen.
Was bleibt, ist das, womit die Geschichte angefangen hat:
Menschen, die zusammenkommen, ihr Wissen teilen und gemeinsam darüber sprechen, wie Softwareentwicklung weitergeht.
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🔍 FAQ
1. Wann fand die erste EKON statt und wie viele Teilnehmende kamen?
Die erste EKON fand 1996 statt, mit 500 Teilnehmenden, 70 Sessions und 14 Ausstellern. Besucher kamen unter anderem aus den USA, den Niederlanden und der Schweiz.
2. Wie hat alles angefangen – mit einer Konferenz oder einem Magazin?
Der erste Schritt war kein Event, sondern ein Magazin: „Der Entwickler – Das Magazin für Delphi, Pascal, C++, Paradox und dBASE Entwickler:innen", gegründet von Masoud Kamali und Sebastian Meyen. Aus diesem Netzwerk an Autor:innen und Kontakten entstand später die EKON.
3. Welche Rolle spielt Delphi bei der EKON heute noch?
Delphi ist nach wie vor der Kern der EKON. Gleichzeitig hat sich das Programm über die Jahre erweitert – um Cloud, REST, Machine Learning und seit 2023 auch KI-Themen wie GitHub Copilot, Coding Agents und Agentic AI.
4. Was bedeutet die Entwicklung von KI für die Rolle von Entwickler:innen?
Laut Masoud Kamali verschiebt sich die Aufgabe vom reinen Schreiben von Code hin zum Verstehen, Prüfen und Steuern von KI-generierten Ergebnissen – die Frage nach der Zukunft von Programmiersprachen selbst bleibt dabei offen.
5. Wann und wo findet die EKON 30 statt?
Die EKON 30 findet vom 23. bis 27. November 2026 in Düsseldorf statt: drei Konferenztage mit sechs Themenbereichen, ergänzt um drei Workshop-Tage und zwei Deep-Dive-Bootcamp-Tage.











